Warum Dich die digitale “Fear of missing out” (FOMO) im Job ausbremst − und wie Du sie loswirst

Gestresste Frau mit FOMO am vollgepackten Schreibtisch

Manchmal habe ich verdammt Angst.

Okay, Angst ist ja erstmal nichts Schlechtes. Sie versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft. Damit wir in einer Gefahrensituation schnell eine Entscheidung treffen können: angreifen, weglaufen oder erstarren?

Was bei Jägern und Sammlern überlebensnotwendig war, wird aber heutzutage oft zum Problem.

Viele Ängste machen uns das Leben schwer. Sind wir ängstlich, tendieren wir noch häufig zu einer der drei Handlungsoptionen: Wir gehen zum Angriff über. Oder wir laufen weg, um uns der Situation zu entziehen. Oder aber wir sind wie gelähmt und tun gar nichts mehr.

Die berüchtigte “Fear of missing out”

Aber warum erzähle ich Dir überhaupt etwas über Angst?

Weil es in diesem Blogartikel um eine Angst geht, die viele von uns – mich eingeschlossen – in unserem Job stresst, sabotiert und ausbremst.

Ich rede von “FOMO”, der “Fear of missing out”. Der Angst, etwas Wichtiges zu verpassen oder nicht auf dem neuesten Stand zu sein.

Wenn Du meinen Blog schon länger liest, ist Dir das Phänomen nicht unbekannt.

Die FOMO ist unter anderem ein Grund, warum wir die Finger nicht vom Handy lassen können. Ständig durch unseren Facebook-Newsfeed scrollen, dauernd auf Instagram unterwegs sind und schauen, ob es was Neues gibt. Unsere E-Mails und Messenger-Nachrichten im Minutentakt checken.

Die Angst, etwas nicht mitzubekommen, ist aber nicht neu. Auch vor der Verbreitung des Internets hat sie uns schon gestresst. Denn wir Menschen sind nun mal soziale Wesen, die dazugehören wollen. Deswegen verspüren wir die Notwendigkeit, immer präsent zu sein und mitkriegen zu wollen, was die anderen so treiben (auch das ist übrigens evolutionär bedingt).

Wer hat nicht schon mal das blöde Gefühl gehabt, DIE Party des Jahres verpasst zu haben? Oder war beleidigt, weil die beste Freundin die neuste Lovestory einer anderen zuerst erzählt hat, weil wir nicht zuhause waren, als das Telefon klingelte?

Das Problem der unendlichen Informationsfülle

Heute sorgen vor allem soziale Medien dafür, dass wir immerzu befürchten, etwas zu verpassen oder nicht mehr up-to-date zu sein, wenn wir einmal nicht in den Newsfeed schauen. Das hat auch viel mit unserem eigenen Selbstwert zu tun.

Aber darauf möchte ich heute nur am Rande eingehen. Denn ich beobachte das Ganze auch noch in anderen Zusammenhängen. Nämlich im Beruflichen. Dort insbesondere bei Menschen, die ein Onlinebusiness haben bzw. aufbauen oder online viel Marketing betreiben.

Ja, dazu gehöre ich auch. Seit ich mich mit dem Thema Bloggen auseinandersetze, habe ich latent das Gefühl, nie genug Informationen zu haben. Als mir klar wurde, dass ich nicht nur zum reinen Spaß bloggen will, wurde dieses Mangelgefühl immer stärker.

Es erinnert mich an das”Mist, eigentlich müsste ich auch noch das machen” aus der Unizeit. Wo genug irgendwie nie genug war. Weil keiner mehr den Rahmen dessen, was genug ist, vorgab und wir uns das irgendwie selbst erschließen mussten. Und spätestens bei der nächsten Hausarbeit oder Klausur wussten, ob wir tatsächlich genug getan hatten.

Ich habe damals schon viel mit dem Internet gearbeitet – und weiß Gott, ich war froh drum, nicht jeden Satz umständlich in zig Büchern in der Bibliothek nachschlagen zu müssen!

Aber da liegt eben auch das Dilemma.

Das Internet – unendliche Weiten und alles voll von Informationen. Zu viele Informationen.

Welche ist wichtig, welche nicht? Welchem Link folge ich, welchem nicht? Welcher führt mich zum Ziel?

All diese Fragen, Entscheidungen. Jeden Tag.

Und dann auch diese praktische und dann doch wieder unsägliche Merk-Funktion überall! Browser-Favoriten. Für später merken. Speichern. Ablegen. Später ansehen. Sammeln.

Irgendwann haben wir Gigabytes an Quellen und Infos angehäuft, die wir uns nie anschauen. Oder immer wieder anschauen, aber nicht verwenden.

Die uns aber den (Hinter-)Kopf zumüllen und nerven. “Du musst mich noch lesen!”, “Wenn Du Dich um das Thema nicht kümmerst, dann …” usw.

Die Frage ist: Wer braucht das alles?

“Nicht genug” stresst und macht uns unproduktiv

Warum dieses nervtötende, frustrierende Gefühl von nicht genug sein, nicht genug tun, nicht genug gelesen haben, nicht genug Videos angeschaut, nicht genug Webinare besucht, nicht genug Newsletter abonniert zu haben?

Bringt es uns tatsächlich weiter, wenn wir uns Sammlungen von Favoritenleichen anlegen, die wir nie ansehen, die uns aber wie Zombies verfolgen? Reicht nicht ein Newsletter zu einem bestimmten Thema? Nicht ein Blog? Nicht ein Onlinekurs? Ein Webinar? Warum glauben wir, dass wir sonst etwas verpassen? Warum glauben wir, dass hinter dem nächsten Link vielleicht doch noch was Besseres, Brauchbareres auf uns wartet?

Weil wir wissen, da ist noch viel mehr. Und wir glauben: Ein, zwei Klicks noch und wir sind am Ende unserer Recherche.

Sorry – das wird nie so sein! Das Internet ist nicht sequenziell aufgebaut. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Die Spirale dreht sich immer weiter.

Wir wollen aus dem beruflichen Hamsterrad aussteigen − und bauen uns unser eigenes, indem wir meinen, wir müssten in allem Profi bzw. Experte sein oder werden, nur weil es theoretisch durchs Internet möglich ist. Wir bürden uns Aufgaben auf, die wir im realen Leben einem Fachmann überlassen würden.

Und machen uns selbst völlig kirre, weil wir noch nicht die ultimative Anleitung für alles gefunden haben (nochmal sorry – auch die gibt es nicht).

Was passiert also?

Wir stressen uns. Setzen uns unter Druck. Leiden unter dem Tempo, dem wir nicht folgen können oder wollen. Hängen irgendwann abgekämpft in unserem höchstpersönlichen Hamsterrad.

Das ist nicht gesund. Es raubt uns Energie, Motivation und Freude.

Sich durch weitere unzählige Infos zu wühlen, ohne dass am Ende ein besseres Ergebnis herauskommt, kostet außerdem eine Menge Zeit. Das macht uns unproduktiv und wir schieben Frust.

Und nicht wenige von uns ertrinken am Ende regelrecht in der Informationsflut und wissen gar nicht mehr, wo sie anfangen, was sie machen und wo sie eigentlich hinwollten. Was richtig und was falsch ist.

Und all das führt letzten Endes dazu, dass die meisten von uns – Du ahnst es – gar nichts mehr machen. Stillstand. Der Tod jeder Entwicklung.

Wie Du die FOMO austricksen kannst

Wie kommen wir nun aus dem Teufelskreis wieder raus?

Die Antwort: Nutz Infos aus dem Netz, aber nutz sie clever.

Google eine Antwort. Vielleicht auch noch eine zweite, von mir aus eine dritte. Aber belass es dann dabei. Such Dir die Antwort aus, die Dir und Deinem Anliegen dient. Die sich richtig anfühlt.

Und so mach es mit allem.

Du brauchst keine 20 Newsletter, Freebies, Webinare und Onlinekurse zu einem Thema.

Und Du musst auch nicht tonnenweise Informationen horten, die eventuell mal irgendwann interessant sein könnten. Such das, was jetzt oder in absehbarer Zeit wirklich für Dich wichtig ist. Nicht das, was eventuell in einem Jahr wichtig werden könnte.

Schau Dir Deine Favoriten an und schmeiß gnadenlos alles in den virtuellen Papierkorb, was (gerade) nicht relevant ist.

Überleg Dir bei allen Informationsquellen, die Du nutzt (also Newsletter, Blogs, Social-Media-Accounts anderer, Gruppen, Webinare, Podcasts etc.):

Wie hoch ist der tatsächliche Nutzen für Dich?

Und wenn es einen gibt: Steht er in einem gesunden Verhältnis zum Zeitaufwand, den Du betreiben musst, um diesen Nutzen zu erhalten?

Wann immer Du merkst: Der Nutzen ist nicht gegeben oder zu gering oder ist mit einem zu hohem Zeitaufwand verbunden − verabschiede Dich von der Quelle.

Wenn Du neue Quellen auftust, prüfe sie genauso: Schau Dir nach ein paar Wochen an, wie sie bei dem eben genannten Check abschneiden.

Für die Informationsquellen, die bleiben dürfen, gilt: Setz Dir ein festes Zeitfenster, trag es in Deinen Kalender ein und widme Dich nur in dieser Zeit, diesen Quellen und Info-Kanälen.

Und wenn Dich das Gefühl überkommt, Du könntest vielleicht nicht genug Informationen an andere herausgeben, zum Beispiel zu wenig Blogartikel, zu wenig Facebook-Beiträge usw., dann überprüfe kritisch und objektiv dieses Gefühl.

Frag Deine Leser und Follower. Und frag Dich: Möchtest Du lieber wenige, aber dafür gehaltvolle, gute Inhalte bekommen oder eine Masse an beliebigen Infos, die nur rausgegeben werden, weil es irgendwann mal hieß, man müsste soundsoviel (Blog-)Posts pro Tag oder Woche raushauen, um gesehen zu werden?

Und wenn Du zum Beispiel als Freiberufler Panik schiebst, dass Du einen (künftigen) Kunden vergraulen könntest, wenn Du nicht ständig Deine E-Mails checkst und sofort antwortest: Du bist ein Mensch. Ein arbeitender Mensch.

Du hast Dich nicht selbstständig gemacht, um 24/7 im Standby-Modus für Deine Kunden zu sein. Eine Anfrage ist in 99 Prozent der Fälle auch noch dann relevant, wenn Du sie ein paar Stunden später liest. Also entspann Dich und check Deine E-Mails zu festen Zeiten, ein-, zweimal am Tag. Fertig. Dann hast Du auch mehr Motivation und Freude im Job.

Entscheide selbst, wann genug genug ist 

Glaub mir bitte: Du bist genug und Du tust genug. Du informierst Dich genug. Wenige, verlässliche Quellen sind genug. Verlass Dich auf Deine Erfahrung, Deine Intuition.

Befrei Dich von dem Gefühl, dass Du noch so viel müsstest und dass Dir etwas entgeht, wenn Du nicht auf allen virtuellen Hochzeiten gleichzeitig tanzt.

Wenn Du mal wirklich etwas verpassen solltest: Das Internet vergisst nicht. Aber Du vergisst vielleicht Dein Leben und Deine Freude am Arbeiten, wenn Du Dich weiter so stresst.

Gönn Deinem Hirn und Deinem (grundlos schlechten) Gewissen eine Auszeit.

Es gibt ohnehin genug zu tun. Just in diesem Moment. Und nur das und die Infos, die Dir jetzt helfen, zählen.

Wie gehst Du mit dem Druck um, immer alles mitkriegen und mitnehmen zu müssen? Hast Du noch weitere Strategien, wie wir damit klar kommen können, ohne durchzudrehen? Schreib mir gern einen Kommentar!

4 Kommentare bei „Warum Dich die digitale “Fear of missing out” (FOMO) im Job ausbremst − und wie Du sie loswirst“

  1. Oh mannomann,
    voll erwischt! Genau so war es bei mir auch – horten, listen, etc… man weiß ja nie ob man es nicht noch mal brauchen kann…
    Inzwischen arbeite ich kräftig daran diese Flut zu verringern. Der monatliche Detox-Tag hilft mir dabei. Da schmeiße ich alles aus meinen digitalen Medien, was ich nicht mehr brauche…. Vielen Dank für den tollen Artikel!

    1. Hallo Anette,

      danke Dir für Deinen Kommentar! Ich denke, das geht vielen von uns so. Aber ist doch prima, dass Du das Ganze erkannt hast – das ist ja immer der erste Schritt. Und super, dass Du einen monatlichen Digital-Detox-Tag hast! Wie wäre es mit jeden Tag ein wenig (mehr)? 😉 Ich glaube nämlich, dass solche Dinge dann den besten Effekt auf uns haben, wenn wir sie langsam und stetig in unseren Alltag integrieren und so eine nachhaltige Veränderung herbeiführen. Ich hoffe, Du findest hier noch ein paar mehr Anregungen dazu. 🙂

      Viele Grüße
      Karo

  2. Uuups, also die Fomo schlägt bei mir auch oft zu :-/ Allein meine vielen Browser Fenster zeugen davon dass ich mich oft nicht von Infos “trennen” kann… Ich versuche bewusster zu gucken, ob das einen echten Mehrwert bietet aber es ist wirklich ein Prozess, so von heute auf morgen geht das (jedenfalls bei mir) nicht. Aber auf jeden Fall wichtig sich nicht von allem so stressen zu lassen, die Welt dreht sich ja eh jeden Tag schneller. Da lohnt es sich, sich davon ein bisschen abzukoppeln. man kommt eh nicht hinterher 😉

    1. Hey Maxi,

      danke für Deinen Kommentar. Selbsterkenntnis ist … na, Du weißt schon! 😉 Offene Browserfenster kenne ich gut. Das hat auch sicherlich was mit Fokussieren zu tun – etwas, das mir selbst auch immer mal wieder schwer fällt. Aber ich habe ein ziemlich geordnetes Favoritensystem, das ich auch regelmäßig ausmiste. Immerhin! Ich denke, Du machst das schon ganz richtig. Mit Gelassenheit rangehen und in der Gewissheit, dass es nicht das Ende der Welt bedeutet, wenn man nicht alles mitbekommt. 🙂

      Wie entscheidest Du denn, was Mehrwert bietet und was nicht?

      Viele Grüße
      Karo

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