Urlaub ohne Smartphone? Nur so wird Deine Reise eine echte Auszeit!

Bücher auf einem Tisch am Strand.

Ich habe mir schon so einige Urlaube versaut. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Urlaub in der Schweiz, wohin ich einmal im Jahr zum Wandern fahre.

In den Bergen ist das mit dem W-LAN-Empfang nämlich so eine Sache. Ich hatte mir extra vorher ein Guthaben für das Bergdorf gekauft, um halbwegs vernünftig surfen zu können.

Dummerweise hatte ich im Chalet so gut wie keinen Empfang. Ich verbrachte die erste Hälfte des Urlaubs damit, fluchend mit dem Smartphone im gesamten Haus nach einem halbem Empfangsbalken auf dem Display zu suchen.

Rannte draußen vorm Haus rum wie eine Irre, um am Ende festzustellen: Hier ist nichts mit W-LAN! Pech. Den Rest des Urlaubs ärgerte ich mich. Mit anderen Worten: Erholung war’s keine.

Im nächsten Jahr hatte ich mich drauf eingestellt. Ein kleines Mobile-Daten-Budget gebucht und das Smartphone in der restlichen Zeit weggepackt. Mich dem Leben vor Ort gewidmet. Wunderbare Ferien verbracht. Und: online nichts verpasst!

Was willst Du von Deinem Urlaub?

Was bedeutet Urlaub für Dich? Ausschlafen? Nicht arbeiten (müssen)? Zeit mit Familie und Freunden verbringen? Mit Dir selbst? „Nichts“ tun? Oder feiern bis der Arzt kommt?

Urlaub − ich spreche jetzt in erster Linie vom Reisen, nicht so sehr vom heimischen Balkonien − ist für jeden etwas anderes.

Aber wir alle haben wahrscheinlich eins gemeinsam: Wir wollen uns im Urlaub entspannen. Vielleicht sogar erholen. Auftanken. Damit wir wieder Kraft haben für die Zeit danach.

Wann Du Dir den Urlaub sparen kannst

Die schlechte Nachricht: Wenn Du Dein Smartphone im Urlaub genauso nutzt wie zuhause (es sei denn, Du nutzt es dort so gut wie gar nicht), dann kannst Du auch zuhause bleiben.

Auch ich habe das damals gemerkt. Denn ich konnte mich im Urlaub nicht vom Handy trennen.

Damit bin ich übrigens nicht allein: 93 Prozent der deutschen Urlauber nehmen ein mobiles Endgerät mit in den Urlaub.1 Bei den meisten ist das Smartphone.

Ein Viertel davon benutzt es dort zwischen ein und zwei Stunden pro Tag. Wobei solche Einschätzungen oft unbewusst von den Befragten geschönt werden.

Ich rechne mal kurz: Wenn jemand also zwei Wochen in die Ferien fährt, davon pro Tag (ist ja Urlaub) zehn Stunden schläft, bleiben noch 196 Stunden, die er aktiv im Urlaub nutzen kann. Ziehen wir noch An- und Abreise ab, bleiben etwa 180 Stunden Urlaub. Davon verdaddelt er dann (angeblich) allein 28 Stunden mit dem Handy.

Mehr als ein Sechstel des Urlaubs geht also für etwas drauf, wofür er hätte zuhause bleiben können.

Eigentlich liegt der Anteil sogar noch höher! Denn wie ich es in meinem Artikel über Unterbrechungen schon erklärt habe: Bis wir nach einer Unterbrechung wieder ganz im Moment sind, vergehen um die 15 Minuten.

Dauernd aufs Handy zu starren verhindert also auch im Urlaub, dass wir in den so glücklich machenden Flow2 kommen.

Wie Du im Urlaub wirklich abschaltest

Jetzt kommen wir zur guten Nachricht: Es spricht nichts dagegen, das Smartphone im Urlaub mitzunehmen. Ein-, zweimal am Tag draufzuschauen, ob irgendwas Wichtiges ist.

Die Betonung liegt auf WICHTIG. Die meiste Zeit passiert aber nichts Wichtiges.

Wenn ich im Urlaub bin, dann schaue ich i.d.R. morgens nach dem Frühstück und abends kurz aufs Handy. Ansonsten lege ich es weg − zum Beispiel in den Hotelsafe. Oder in meinen abschließbaren Koffer. Oder eben an einen sicheren Ort.

Ich trage es nicht den ganzen Tag am Körper. So komme ich gar nicht erst in die Versuchung, bei jeder Gelegenheit draufzuglotzen.

„Was ist mit Notfällen?“, fragst Du Dich?

Ja. Verstehe ich. Ich bin auch ein Sicherheitsfanatiker. Natürlich ist ein Smartphone in solchen Fällen nützlich. Keine Frage. Aber überleg mal: Gab es früher keine Notfälle? Wie haben wir die Situation da gemeistert?

Zu Deiner Beruhigung: Es gibt einen Mittelweg zwischen Smartphone und No-Phone. Vielleicht hast Du es in meinem Artikel über tierisches Digital Detox schon gelesen. Wenn ich mit dem Hund draußen unterwegs bin, bleibt mein Smartphone zuhause.

Weil ich aber schon mehrmals in Situationen geraten bin, in denen ich ein Telefon gut hätte gebrauchen können, habe ich mir eine pragmatische Lösung überlegt: ein kleines, äußerst billiges Mobiltelefon mit Zwei-Zeilen-Display. Es passt in jede Hosentasche, ich kann es beliebig oft fallen lassen und ich kann damit nur telefonieren. SMS sind wohl auch möglich, aber wer tut sich das mit dem Teil an.

Im Speicher sind die wichtigsten Telefonnummern für Notfälle. Im Urlaub könnte da zum Beispiel die des Autovermieters hinzukommen oder die der örtlichen Polizei etc.

Dieses kleine Gerät kannst Du dann ausgeschaltet mitnehmen. Dank neuen Roaming-Bedingungen geht das auch mit vielen Prepaid-Karten.

Du hast Deine „Lebensversicherung“ also immer dabei. Aber verschwendest keine Zeit damit. Für mich eine prima Alternative.

Und wenn ich schon dabei bin, Tipps zu geben, kommen hier auch noch ein paar weitere zum Abschalten im Urlaub!

Gemeinsame Sache machen

Wenn Du mit mehreren Leuten in Urlaub fährst, sprecht Euch vor der Reise ab, wie Ihr es mit dem Smartphone handhaben wollt.

Im besten Fall zieht Ihr alle an einem Strang. Denn gerade, wenn es Dir schwerfällt, die Finger vom Handy zu lassen, ist nichts lästiger, als Freunde, die vor Deiner Nase am Bildschirm rumfummeln.

Vereinbart daher ein paar einfache Regeln, wie oft und auf welche Weise Ihr im Urlaub online sein wollt. Geht es spaßig an: Wer sich nicht an die Vereinbarungen hält, spendiert das nächste Essen. Oder ähnliches.

Versucht, Eure Zeit zusammen zu nutzen. Ohne ständige Unterbrechungen durch das Smartphone werdet Ihr wesentlich mehr voneinander haben. Und somit auch mehr Erholung.

Digital-Detox-Apps helfen auch im Urlaub

Ich habe in meinem Artikel über Digital-Detox-Apps ausführlich darüber geschrieben, wie Du Apps wie „Quality Time“ für Dich nutzen kannst.

Du kannst zum Beispiel bei „Quality Time“ einfach eine zehnstündige Pause einlegen und genau bestimmen, was zu Dir durchdringen darf und was nicht.

Der Sperrbildschirm ist eine super Barriere, wenn Du doch wieder aufs Handy schaust. Du kannst ihn zwar entsperren, aber die Hemmschwelle, das Smartphone ohne sehr konkreten Anlass zu nutzen, ist wesentlich höher.

Urlaub ist keine Arbeits- sondern FREIzeit!

Urlaub ist Urlaub. Freizeit. Keine Arbeitszeit. Mach das bitte schon vor Deiner Abreise Deinem Chef und den Kollegen klar.

Nur, wenn der Firma die Pleite droht und Du die einzige Person bist, die das verhindern kann, dürfen sie Dich kontaktieren.

Es ist ohnehin empfehlenswert, mit der privaten Handynummer sparsam umzugehen. Dein Chef muss sie nicht wissen. Je weniger Menschen von der Arbeit die Nummer kennen, desto weniger wirst Du außerhalb der Arbeitszeit behelligt.

Leite keine Jobmails an Deinen privaten Account weiter. Nochmal: Urlaub ist keine Arbeitszeit.

Auch wenn Du selbstständig bist und Angst hast, Aufträge zu verlieren: Die Aufträge, die während Deiner Urlaubszeit erledigt werden müssten, brauchst Du nicht. Weil Du frei hast. Und die, die danach anstehen, stehen auch dann noch an, wenn Du wieder zuhause bist.

Kommuniziere Deine Urlaubszeiten deshalb bei Deinen (potenziellen) Kunden möglichst früh. Und betone, dass Du nicht erreichbar bist, dann aber nach dem Urlaub wieder mit voller Energie für sie da bist und dass Du ihre Aufträge dann gern übernimmst. Und dass Schweigen Deinerseits kein Ablehnen von Aufträgen bedeutet. Fertig.

Ich weiß, dass es leichte Panik auslösen kann, wenn man jobtechnisch etwas verpassen könnte. Aber deswegen 24/7 auf Standby zu sein, ist keine Lösung! Das zehrt uns aus und schädigt uns nachhaltig. Und macht uns damit auch insgesamt weniger produktiv.

Also: Im Urlaub keine Arbeits-E-Mails und -Telefonate!

Fotografiere bewusst oder speichere Bilder in Deinem Herz

Ja, ich weiß, dass manche Smartphones super Bilder schießen. Und dass das total praktisch ist, weil Du keine zusätzliche Kamera dabei haben musst. Verstehe ich.

Dennoch: Solltest Du eine Kamera besitzen, nimm sie anstelle des Smartphones mit.

Hast Du nämlich Dein Handy ständig in der Hand, wirst Du es auch anderweitig nutzen. Die Versuchung ist viel zu groß. Nutze also Deine Kamera.

Ich behaupte einfach mal, dass Du mit ihr auch bewusster fotografieren wirst. Und dadurch bessere Bilder machst.

Als begeisterte Hobby-Fotografin kenne ich den Drang zu fotografieren. Frag Dich aber dennoch: Ist dieser Augenblick es nicht wert, dass ich ihn nicht fotografiere, sondern einfach nur genieße und in meinem Herzen abspeichere?

Herz und Hirn sind nämlich nach wie vor die besten Speichermedien, die wir besitzen. Und daran wird sich nie etwas ändern.

Du hast diese Erinnerungen immer bei Dir und sie gehören exklusiv nur Dir und ggf. denjenigen, die dabei waren.

Ist es nicht schön, mal nicht alles auf Facebook oder Instagram zu teilen?

Digital Detox total: Urlaub im Offline-Hotel

Du brauchst eine richtige Auszeit? Auf die radikale Art? Dann buch ein Offline-Hotel.3

Viele Hotels haben sich inzwischen bewusst dafür entschieden, kein W-LAN mehr anzubieten. Manche liegen sogar in einem Funkloch, so dass auch mit mobilen Daten nichts zu machen ist.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du nur in einer solchen Umgebung wirklich abschalten kannst, dann sei so mutig und tu es!

Und noch eine radikale Variante für „normalen“ Urlaub: Vergiss mit Absicht Dein Ladekabel zuhause und leih Dir auch keins aus. Das bedeutet, Du hast für Deinen Urlaub eine Akkuladung, mit der Du auskommen musst.

Was im Alltag funktioniert, geht auch im Urlaub

Last but not least kann ich nur das raten, was ich auch für den Alltag rate: Benachrichtigungen deaktivieren, automatischen Mailabruf drosseln bzw. ganz ausschalten.

Versuch auch mal, bewusst Ruhe oder gar Stille auszuhalten. Einfach nur da zu sein, umherzuschauen.

Vielen fällt das heutzutage schwer. Auch mir geht es manchmal so, dass mein Hirn drängelt: „Wo ist die Action, Karo!?“

Ignoriere diese Stimme. Und versuche stattdessen in Dich reinzuhören. Lass zu, Dich auch mal zu langweilen. Das ist wichtig.

Im Urlaub hast Du die beste Gelegenheit, Dich wieder ein Stück weit daran gewöhnen zu können, dass auch mal nichts passiert und das vollkommen okay ist. Das sind die Momente, in denen wir wirklich abschalten können. Sie fehlen uns im Alltag. Also hol sie Dir wenigstens in Deinem Urlaub!

Mach ansonsten das, wozu Du im Alltag nicht kommst.

Vorzugsweise Dinge, die häufig zugunsten digitaler Aktivitäten liegen bleiben. Jetzt hast Du die Chance dazu: Lies Bücher, schreib Gedichte, treib Sport, geh spazieren, koche etwas Leckeres, führ echte Gespräche … und vergiss das Smartphone.

Du willst doch ankommen in Deinem Urlaub, oder? Oder willst Du dank Deines Smartphones zuhause bleiben? 😉

Welche Erfahrungen hast Du im Urlaub gemacht? Ist das Smartphone dabei? Ich freue mich auf Deine Kommentare!

Fußnoten

  1. Das sagt eine GfK-Studie zu mobilen Endgeräten im Urlaub.
  2. Im „Flow“ sein heißt, dass wir in einer Tätigkeit vollkommen aufgehen, so dass wir in einen Zustand der Tiefenkonzentration kommen, die uns alles um uns herum vergessen lässt. Je mehr Flow-Momente wir erleben, desto glücklicher sind wir.
  3. Beispiel: Bei Digital Detox Holidays gibt’s Hotels im Off.

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