Eltern, Kinder, Smartphones: 10 Tipps, wie Deine Familie bewusster mit digitalen Medien umgeht (Teil 1)

Kind mit Eltern an der Hand

Kinder sind unsere Zukunft. So ausgenudelt dieser Satz auch sein mag − er stimmt. Umso wichtiger, dass sie sich in der Welt da draußen gut zurechtfinden.

Als ich klein war, reichte meine Welt bis zur Schule im Nachbarort, zum Bach am Dorfrand und manchmal verschob sie sich in den Ferien auch mal in ein fremdes Urlaubsland. Mit anderen Worten: Meine Welt war überschaubar.

Die Kids von heute müssen inzwischen ZWEI viel größere Welten händeln: die reale Welt da draußen − in der es hoffentlich auch noch einen Bach zum Spielen gibt − und die grenzenlose digitale Welt. Sie werden wie wir tagtäglich mit Informationen und digitalen Inhalten zugeschüttet und müssen sie verarbeiten.

Viele Eltern meinen, sie täten ihren Kindern einen Gefallen, wenn sie sie daher sehr früh mit digitalen Geräten ausrüsten. Sie führen sie bereits im Kindergartenalter an Medien heran, um ihnen für später einen Vorsprung zu verschaffen.

Ein Smartphone im Kindergarten oder in der Grundschule − das halte ich für keine gute Idee. Warum, kannst Du in meinem Artikel „Braucht Dein Kind ein Smartphone?“ nachlesen.

Andererseits können Eltern ihre Kinder aber auch nicht komplett von digitalen Medien abschirmen. Sollten sie auch nicht.

Das Entscheidende ist, den Kleinen den richtigen Umgang beizubringen. Und das ist oftmals gar nicht so leicht, tun wir uns doch selbst schwer genug damit. 😉

Deswegen habe ich für Dich und Deine Familie zehn Tipps zusammengestellt, von denen ich glaube, dass sie Euch helfen, bewusster mit digitalen Medien umzugehen.

Damit es nicht zu viel Input für Dich wird, werde ich diesen Artikel aufteilen. Hier kommen die ersten fünf Tipps!

#1 Informiere Dich objektiv

Ich weiß, wahrscheinlich tust Du das schon, sonst würdest Du auch diesen Artikel nicht lesen.

Aber ich erwähne es trotzdem, weil viele Eltern sich zum Beispiel genötigt fühlen, den Kindern ein Smartphone zu kaufen, weil die anderen angeblich auch alle eins haben. Was aber eher die „gefühlte Wahrheit“ der Kids ist, denn laut der aktuellen KIM-Studie aus 2016 besitzen gerade mal rund die Hälfte aller 6- bis 13-Jährigen ein Handy oder Smartphone. Ätsch! 😉

Informiere Dich daher nicht nur in Gesprächen mit anderen Eltern, sondern möglichst objektiv.

Websites wie die der Medieninitiativen „Schau hin!“ oder „Klicksafe“ bieten nützliche Informationen zu dem Thema. Dort findest Du auf viele Fragen eine kompetente, meist wissenschaftlich fundierte Antwort, auf deren Basis Du Dir eine eigene Meinung bilden kannst.

#2 Legt Zeitkontingente für Handy & Co. fest

Wenn ich von Digital Detox spreche, dann geht es mir grundsätzlich nicht darum, digitale Medien komplett aus dem Leben auszuschließen und nur noch analog zu leben. Das ist Quatsch und funktioniert auch in unserer Gesellschaft kaum.

Ich verstehe digitales Entgiften dahingehend, dass Du Deine individuelle digitale Dosis findest, mit der es Dir gut geht. Und das gilt auch für Kinder.

Es gibt einige Wissenschaftler, die digitale Inhalte für Kinder generell verteufeln. Ich halte mich lieber an die Empfehlungen, die Initiativen wie „Schau hin!“ oder „Klicksafe“ 1 geben:

Als […] Orientierung gilt ein Limit der Medienzeit von 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Für Kinder ab 10 Jahren bietet sich das Wochenkontingent an, das sich Kinder ähnlich wie beim Taschengeld zunehmend selbstständig einteilen können. − Schau-hin.info

Wenn Ihr Medienzeiten, also Zeitkontingente, in denen Ihr bestimmte Medien nutzen dürft, festgelegt habt − und das solltet Ihr der Fairness halber gemeinsam für ALLE Familienmitglieder tun − könnt Ihr Euch zur Überprüfung Tools wie die „Quality Time“-App zunutze machen. Dort kannst Du nicht nur checken, wie häufig Du Dein Smartphone nutzt, sondern Du kannst auch Limits für Dich und Deine Liebsten festlegen. In meinem Artikel über Digital-Detox-Apps findest Du mehr Infos zur dieser nützlichen App.

#3 Kontrolliere und beschränke die Mediennutzung Deiner Kids

Ich weiß, Kontrolle ist eher ein negativ besetztes Wort. Aber gerade in Anbetracht der Gefahren, die das Internet und digitale Medien mit sich bringen, solltest Du genau hinsehen, wann und wie Deine Kinder Medien nutzen.

Das mag bei Jugendlichen schon schwierig werden, aber zumindest bei Kindern sollte es möglich sein, dass Du auch ein Auge auf die Inhalte wirfst, ohne zu sehr in ihre Privatsphäre einzudringen.

So macht es zum Beispiel Sinn, den Familien-PC oder -Laptop an einem zentralen Ort in der Wohnung bzw. im Haus aufzustellen. Das Wohnzimmer bietet sich an. So hast Du einen Blick auf die Medienzeiten und kannst immer mal wieder schauen, was die Kids genau machen.

Einige Experten empfehlen auch das Einsammeln des Handys über Nacht, so dass die Kinder das Gerät nicht heimlich nutzen können.

Generell macht es Sinn, bei kleinen Kindern, die nur aus Sicherheitsgründen ein Handy bei sich haben, die mobilen Daten zu deaktivieren bzw. ein Prepaid-Angebot zu nutzen, dass keine mobilen Daten beinhaltet. So haben die Kids über das Handy keinen (unbeobachteten) Zugang zum Internet, sind aber dennoch in Notfällen erreichbar.

#4 Vereinbart Regeln für Gefahrensituationen im Netz

Ohne das Ganze zu überdramatisieren: Wenn Deine Kinder im Netz unterwegs sind, sind sie auch Gefahren wie Cybermobbing und Cybergrooming2 ausgesetzt.

Deswegen ist es enorm wichtig, dass Du Deine Kinder über diese Gefahren aufklärst (nicht belehrst) und Ihr dann gemeinsam Regeln vereinbart, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen.

Nicht selten verschweigen die Kids ihren Eltern kritische Vorfälle, was unschöne Folgen haben kann. Mach ihnen deshalb klar, dass sie in jeder Situation ohne Angst vor Bestrafung mit Dir sprechen können und Dich zum Beispiel über Kontakte zu „komischen“ fremden Menschen informieren sollen. Nur dann hast Du die Möglichkeit, ihnen zu helfen.

#5 Sei vorsichtig mit vernetztem Spielzeug

Ich beobachte derzeit in meinem Familien- und Bekanntenkreis, dass Kinder zum Geburtstag oder zu Weihnachten elektronisches Spielzeug geschenkt bekommen, das immer häufiger sogar vernetzt bzw. mit einer Spracherkennungssoftware ausgestattet ist.

Was zunächst nach großem Spaß klingt, halte ich für fragwürdig. So hat erst kürzlich die Bundesnetzagentur Besitzer einer sprachgesteuerten Puppe aufgefordert, die Puppe aus Datenschutzgründen zu zerstören.3

Oft ist nämlich bei solchem Spielzeug nicht ganz klar, was mit den aufgezeichneten Daten passiert. Im Zweifelsfall holt Ihr Euch so einen Datenspion ins Haus und der Hersteller reibt sich die Händchen. Deswegen lege ich Euch diese Tipps zu vernetztem Spielzeug ans Herz.

Generell möchte ich aber eine Lanze für analoge Spiele und Spielsachen brechen: Für die meisten Kinder macht es keinen Unterschied, ob das Spielzeug nun analog oder elektronisch ist. Oft meinen nur die Eltern, dass die Kinder elektronisches Spielzeug haben müssten − was auch mit der Werbung und dem typischen Satz der Kids „Der XY hat das aber auch!“ zusammenhängt.

Dabei ist allein der Spaßfaktor das Entscheidende. Deswegen mach Dir grundsätzlich einmal Gedanken, ob normales Spielzeug und andere Freizeitbeschäftigungen wie das Lesen echter Bücher Deinen Kids nicht genauso viel Vergnügen bereitet und fördere solche Aktivitäten entsprechend. Und halte auch die spendablen Verwandten im Zaum, wenn sie den Kindern den neusten Schrei auf dem Spielemarkt schenken wollen. 😉


So, das waren die ersten fünf Tipps in Sachen Familien-Digital-Detox. Ich hoffe, sie helfen Dir weiter. Bald folgen die restlichen, die sich unter anderem mit Deiner Vorbildfunktion, medienfreien (Zeit-)Zonen und dem Mediennutzungsvertrag beschäftigen.

Bis dahin interessiert mich natürlich Deine Meinung zum Thema! Wie geht Ihr als Familie mit digitalen Medien um? Wo gibt es Diskussionen? Hinterlass‘ mir gern einen Kommentar! 🙂

Fußnoten

  1. Klicksafe gibt hier jede Menge Tipps, wie Eltern ihre Kinder an Medien heranführen können.
  2. Hier kannst Du Dich über Cybermobbing und Cybergrooming informieren.
  3. Infos über den Fall „My friend Cayla“ findest Du hier.

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