„Ohne Handy kann ich nicht …!“ Wie Du blockierende „digitale“ Glaubenssätze loswerden kannst

Frau am Strand mit ausgebreiteten Armen, befreit von ihren Glaubenssätzen

Unser Umgang mit digitalen Medien ist eine Frage der Einstellung.

Und das in doppelter Hinsicht: zum einen im Hinblick auf technische Einstellungen, also wie Du zum Beispiel Dein Handy und die Apps konfigurierst.

Zum anderen − und das ist die weitaus wichtigere Seite − wie Du selbst zu digitalen Medien stehst. Welche Bedeutung Du ihnen zumisst, wie sehr Du sie in Dein Leben hineinlässt und wie viel Einfluss sie auf Dich, Deine Gedanken und Dein Leben haben.

Digital Detox ist aus meiner Sicht nicht einfach nur eine Ansammlung von Strategien, wie Du möglichst stressfrei mit digitalen Medien leben kannst. Oder gar zum analogen Menschen wirst.

Für mich ist es viel mehr. Es ist eine Philosophie, ein Lebensgefühl.

Deine Gedanken beeinflussen Deine Gefühle

Gerade wenn wir uns in Veränderungsprozessen befinden, auf der Suche nach unserem persönlichen Lebensstil sind, nach dem, was uns glücklich macht, spielen unsere Gedanken eine wesentliche Rolle. Wenn nicht sogar die entscheidende Rolle.

Viele glauben, dass Gedanken durch Gefühle entstehen und beeinflusst werden. Doch es ist genau anders herum. Unser Denken beeinflusst unsere Gefühle, unsere Einstellungen und Überzeugungen.

Unser Hirn sagt unserem Körper, wann wir uns unbehaglich fühlen, wann sich etwas für uns gut oder schlecht anfühlt. Natürlich gibt es auch Phänomene wie Intuition und Bauchgefühl. Ich halte beides für außerordentlich wichtig.

Und auch, wenn diese Dinge scheinbar ohne gedankliches Zutun funktionieren − auch sie speisen sich mitunter aus Gedanken.

Ein Mensch denkt am Tag ca. 60.000 Gedanken1

Bei dieser unglaublichen Masse ist es logisch, dass nicht alle Gedanken eine Bedeutung für uns haben können. Sonst würde wahrscheinlich unser Hirn explodieren.

Entscheidend ist, welche Gedanken wir für wahr halten, an welche wir glauben. Das sind die Gedanken, die für uns, unsere Einstellungen und Werte maßgebend sind.

Besonders hartnäckig halten sich in uns sogenannte Glaubenssätze. Damit meinen Psychologen vor allem die Gedanken, sie sich in uns über Jahre festgesetzt haben.

Oft sind es Dinge, von denen wir seit frühster Kindheit überzeugt sind, zum Beispiel, weil unsere Bezugspersonen sie uns gelehrt haben.

Sie beeinflussen uns in unserem Denken und damit in unserem Fühlen. Sie sorgen dafür, dass wir uns in bestimmten Situationen auf eine ganz bestimmte Art und Weise verhalten.

Vielleicht kennst Du das, dass Du in manchen Zusammenhängen merkwürdig reagierst und Dir eigentlich selbst nicht erklären kannst, warum?

Ein solches, oft irrationales Verhalten geht meistens auf unbewusste Glaubenssätze zurück.

Ein sehr verbreiteter ist zum Beispiel die feste Überzeugung, nicht „gut genug“ zu sein. Typischerweise beginnen Glaubenssätze, wenn sie ausgesprochen werden, mit „Ich sollte …“, „Ich müsste …“, „Ich bin …“, „Ich bin nicht …“, „Ich muss …“, „XY sollte …“ usw.2

Glaubenssätze wirken auf unseren Umgang mit digitalen Medien

Warum erzähle ich Dir das?

Nun, eingangs habe ich gesagt, dass Digital Detox Einstellungssache ist. Wenn wir also diese Philosophie wirklich leben möchten, müssen wir auch gedanklich dazu bereit.

Es bedarf nicht nur der Offenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Gerade wenn wir unser Verhalten nachhaltig verändern möchten, brauchen wir dazu auch die passende psychologische bzw. mentale Einstellung − neudeutsch ist auch vom passenden „Mindset“ die Rede.

Wenn wir also denken bzw. glauben, dass wir ohne Handy nicht (über-)leben können, ist es natürlich schwierig, es zumindest teilweise loszulassen.

Auch „digitale“ Glaubenssätze haben eine enorme Wirkung auf uns.

Wir können zwar rational begreifen, warum uns der übermäßige digitale Konsum nicht gut tut. , aber wenn wir es nicht wirklich glauben, wenn wir nicht unserer ganzen Überzeugen dabei sind, können wir auch keine dauerhafte Veränderung in unserem Leben herbeiführen.

Das gilt für alle möglichen Bereiche − zum Beispiel auch fürs Abnehmen oder eine Raucherentwöhnung.

Wie Du digitale Glaubenssätze mit „The Work“ auflösen kannst

Was also tun, wenn uns negative Glaubenssätze in Bezug auf digitale Medien sabotieren?

Es gibt eine Menge Möglichkeiten und Strategien, wie wir uns von Glaubenssätzen, die uns belasten, befreien können.

Heute möchte ich Dir eine Strategie vorstellen, die sich „The Work“ nennt.

Ich „praktiziere“ diese Methode nicht ständig, aber sie hat mir schon oft dabei geholfen, in belastenden Situationen meinen Blickwinkel zu verändern.

Die Begründerin von „The Work“ ist die US-Amerikanerin Byron Katie. Sie hat vor etwa 30 Jahren eine Methode entwickelt, die unsere Glaubenssätze in Frage stellt und auflöst bzw. umkehrt.

Dabei folgt man stets dem gleichen System: vier Fragen und eine Umkehrung.3

Wie funktioniert das Ganze? Eigentlich ist es ganz einfach. Zunächst einmal geht es darum, den Glaubenssatz zu finden, der Dich belastet. Das können Sätze sein wie

  • Ohne Handy kann ich nicht aus dem Haus.
  • Ohne Handy bin ich hilflos.
  • Ohne Handy kann ich nicht leben.
  • Ohne Internet kriege ich nichts mehr mit.
  • Ohne Facebook verliere ich den Kontakt zu meinen Freunden bzw. verliere ich meine Freunde.
  • Wenn ich nicht sofort antworte, sind die anderen sauer auf mich.
  • Wenn ich nicht immer erreichbar bin, verliere ich meinen Job.

Überlege Dir einfach, welche Gedanken Dich beschäftigen, wenn Du das Handy einen Tag lang ausschaltest. Oder Deinen Facebook-Account löschst.

Was hindert Dich daran, es einfach zu tun? Was befürchtest Du?

Hier findest Du schon erste Anhaltspunkte für Deine Glaubenssätze. Notier sie Dir am besten.

Vier Fragen, die Du Dir stellen solltest

Wähle nun einen Satz aus und untersuche ihn.4 Dazu gibt Dir „The Work“ vier Fragen an die Hand:

  1. Ist dieser Glaubenssatz wahr?
  2. Kann ich wirklich sicher sein, dass er wahr ist?
  3. Wie fühle ich mich bzw. reagiere ich (in der Situation), wenn ich diesen Gedanken glaube?
  4. Wie würde ich mich fühlen bzw. reagieren ohne diesen Gedanken?

Bei diesen vier Fragen geht es nicht darum, sich Antworten zu überlegen, von denen Du glaubst, sie sollten dabei herauskommen. Du solltest auch nicht bewusst stundenlang auf ihnen herumdenken.

Es geht vielmehr darum, in Dich hineinzufühlen und hineinzuhorchen. Manche vergleichen „The Work“ auch mit einer Art (schriftlicher) Meditation.

Du lässt Gedanken und Gefühle zu den Fragen in Dir aufsteigen, schaust sie Dir innerlich an und spürst, wie sie sich für Dich anfühlen. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch.

Meistens stelle ich an dieser Stelle schon fest, dass mein Gedanke womöglich auch noch andere Seiten hat und dass er nicht unbedingt wahr sein muss.

Die Umkehrung Deines Glaubenssatzes

Wenn Du Dir diese vier Fragen in Bezug auf Deinen Glaubenssatz gestellt hast und zu Antworten gekommen bist, hast Du nun die Möglichkeit, diesen Glaubenssatz umzukehren.

Wenn Dein Satz zum Beispiel lautet: „Ich bin ohne Handy hilflos“, dann mache daraus jetzt „Ich bin ohne Handy nicht hilflos.“

Überlege Dir dann, was an diesem Satz wahr sein könnte.

Du findest bestimmt Argumente, die für diesen neuen Satz und damit gegen den alten Glaubenssatz sprechen.

Hier zum Beispiel: „Ich bin ohne Handy nicht hilflos. Es gibt genug Menschen, die ich nach … fragen kann und die mir gern helfen. So komme ich auch mit neuen Menschen in Kontakt.“

Entdecke Dein Leben jenseits digitaler Medien neu

Mit dieser Methode kannst Du nach und nach Deine Glaubenssätze, die Dich für eine Veränderung in Bezug auf Deinen Umgang mit digitalen Medien blockieren, auflösen und entkräften. Danach bist Du wesentlich aufnahmefähiger und kannst meine Tipps konsequenter umsetzen.

Denn nur das, was wir glauben, ist für unser Hirn − also für uns selbst − wahr.

Für uns Menschen gibt es keine gemeingültige Wahrheit.

Jeder hat seine eigene. Und alles ist eine Frage der Perspektive.

Wenn Du Dich für andere neue Sichtweisen öffnest, dann kannst Du auch andere Wege finden und gehen.

Du bist der Digitalisierung nicht hilflos ausgeliefert! Auch wenn es sich für uns manchmal so anfühlt, als hätten wir auf all das keinerlei Einfluss und müssten einfach „mitmachen“, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Du hast die Macht über Dein Leben, Deine Gedanken und Deine Gefühle. Du entscheidest selbst, wovon Du Dich abhängig machst. Du entscheidest, wann, wo und wie Du digitale Medien nutzen möchtest. Denn Du selbst weißt am besten, was Dir gut tut und wo Deine Grenzen sind. Respektiere Deine Grenzen und achte sie. Vergiss nie: Du bist kein Sklave Deines Smartphones und auch kein unmündiger Jünger digitaler Weltkonzerne!

Erzähl mir, wie Du mit der Methode zurechtkommst − sie lässt sich auf fast alles anwenden! Kennst Du noch andere Strategien, um negative Glaubenssätze loszulassen? Dann teile sie gern in den Kommentaren. 🙂

Fußnoten

  1. Hier findest Du ein Interview zum Thema positives Denken.
  2. Eine Liste mit typischen Glaubenssätzen kannst Du Dir hier anschauen.
  3. Wenn Du mehr über „The Work“ wissen willst, empfehle ich Dir die Website von Ina Rudolph.
  4. Hier findest Du eine Anleitung zu „The Work“.

Schreibe einen Kommentar